BetaBewerbung analysieren →Braucht man 2027 noch ein Anschreiben?
Ein Anschreiben ist 2027 keine formale Pflicht mehr — in Tech, Start-ups und vielen modernen Unternehmen wird oft nur der Lebenslauf verlangt. Im öffentlichen Dienst, in Konzernen, im Mittelstand und bei klassischen Berufen gehört es weiter zum Standard, und das Weglassen wirkt dort nachlässig. Unabhängig davon lohnt sich ein Anschreiben fast immer: Es ist der einzige Ort, an dem du deine Motivation und die Passung zur konkreten Stelle in eigenen Worten erklärst — genau das, was den Ausschlag gibt, wenn sich mehrere Bewerbungen auf dem Papier ähneln.
Wann ein Anschreiben erwartet wird — und wann nicht
Die Faustregel: je klassischer die Branche und je strukturierter der Bewerbungsprozess, desto selbstverständlicher gehört das Anschreiben dazu.
Hier wird eins erwartet
- Öffentlicher Dienst, Behörden, Verwaltung: fast immer Teil der geforderten Unterlagen.
- Konzerne und großer Mittelstand mit strukturiertem Bewerbungsprozess.
- Klassische Branchen: Kanzleien, Banken und Versicherungen, Gesundheitswesen, Bildung, Handwerksbetriebe mit Tradition.
- Ausbildungs- und Traineestellen: Personalabteilungen nutzen das Anschreiben als Reifezeichen.
- Quereinstieg oder Lücke im Lebenslauf: hier erwartet die lesende Person eine Einordnung.
- Immer, wenn die Ausschreibung ausdrücklich ein Anschreiben oder Motivationsschreiben nennt.
Hier kommst du oft ohne aus
- Tech- und IT-Rollen, Start-ups, Agenturen: häufig reicht Lebenslauf plus Portfolio oder GitHub.
- Bewerbung über LinkedIn- oder Xing-Easy-Apply, wo kein Textfeld vorgesehen ist.
- Aktive Ansprache durch Recruiter: hier ersetzt das Gespräch den Erstkontakt.
- Ausschreibungen, die ausdrücklich schreiben „kein Anschreiben nötig".
- Interne Bewerbungen, bei denen die Fachabteilung dich bereits kennt.
Warum ein Anschreiben auch ohne Aufforderung den Unterschied macht
Der Lebenslauf zeigt deinen Werdegang. Warum du dich auf genau diese Stelle bewirbst und wie deine Erfahrung zu den Anforderungen passt, kannst du nur im Anschreiben in eigenen Worten sagen — und genau das gibt bei ähnlichen Bewerbungen den Ausschlag.
Deine Motivation steht nirgendwo sonst
Der Lebenslauf zeigt, wo du gearbeitet hast und was du kannst. Warum du dich ausgerechnet auf diese Stelle bei diesem Unternehmen bewirbst, kann er nicht beantworten. Genau diese Frage stellt sich die lesende Person aber — und beantwortet sie ohne Anschreiben selbst, oft zu deinen Ungunsten.
Du führst das Matching selbst vor
Statt darauf zu hoffen, dass jemand deine Stationen richtig auf die Anforderungen überträgt, machst du es explizit: „Ihre Ausschreibung nennt X — in Position Y habe ich genau das aufgebaut." Das nimmt der auswählenden Person Arbeit ab und macht dich zur naheliegenden Wahl.
Es entscheidet bei knappen Fällen
Wenn sich drei Lebensläufe auf dem Papier ähneln, gibt das Anschreiben den Ausschlag. Wer sich die Mühe gemacht hat, konkret auf die Stelle einzugehen, wirkt interessierter — und wird eher eingeladen.
Ein schwaches Anschreiben schadet allerdings
Eine Zeile wie „hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle" plus Textbausteine ist schlechter als keins. Wenn du eins schreibst, muss es konkret sein: dieses Unternehmen, diese Stelle, deine echten Berührungspunkte.
Was in ein gutes Anschreiben 2027 gehört
Wenn du eins schreibst, dann konkret. Ein generisches Anschreiben aus Textbausteinen ist schlechter als keins.
- 1
Eine Seite, drei bis vier kurze Absätze, kein wiederholter Lebenslauf.
- 2
Erster Satz ohne Floskel: direkt zur Sache, warum diese Stelle.
- 3
Ein bis zwei konkrete Belege, die eine Anforderung aus der Ausschreibung mit einer echten Station verbinden.
- 4
Ein Satz zum Unternehmen, der zeigt, dass du dich damit befasst hast — kein auswechselbares Lob.
- 5
Schluss ohne Konjunktiv: „Ich freue mich auf das Gespräch", nicht „würde mich freuen".
- 6
Ansprechpartner mit Namen, wenn er zu finden ist — sonst „Sehr geehrtes Team der Abteilung …".
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